Wappen der Gemeinde Altheim (Alb)

In geteiltem Schild oben gespalten, vorne in Rot eine dreilatzige silberne (weiße) Fahne mit goldenen (gelben) Fransen, hinten von Schwarz und Silber (Weiß) geteilt, unten in Grün ein silbernes (weißes) Hifthorn (Mundstück rechts) mit goldenen (gelben) Beschlägen und goldener (gelber) Fessel.

Mit Beratung durch die damalige Archivdirektion Stuttgart legte die Gemeinde im Jahre 1931 das Wappen fest. Die dreilatzige silberne Fahne im roten Feld ist das Wappen der Grafen von Werdenberg, die das zur Herrschaft Albeck gehörende Dorf 1385 mit Kirchensatz, Wittum und Zehntrechten an die Reichsstadt Ulm verkauften. Das von Schwarz und Silber geteilte Feld des Gemeindewappens erinnert an die letztere, während das Hifthorn darauf hinweisen soll, dass das reichsstädtische Amtshaus in Altheim von 1700 an Sitz eines Ulmer Oberforstmeisters gewesen ist.

Aus der Geschichte

Nicht nur der Name Altheim, sondern auch die in der Nähe gefundenen Grabhügel deuten auf eine frühe Besiedlung der heutigen Gemeinde Altheim hin. Der Schloßberg bei der Teilgemeinde Zähringen stellt eine Ringburg, wahrscheinlich eine keltische Fliehburg, dar. Die hier ansässigen Kelten beschäftigten sich bereits mit Viehzucht und Ackerbau.

Später kamen die Römer in dieses Gebiet, denn Bodenfunde im Feld südöstlich des Dorfes lassen einen römischen Gutshof vermuten. Die eindringenden Alemannen setzten sich im 3. Jahrhundert hier fest. Den einzelnen Sippen wurden Marken zugewiesen, und so entstanden die Sippensiedlungen mit dem Namen der Sippe. In den ergiebigsten Landschaften, zu denen auch die Altheimer Markung gehörte, führen die alten Siedlungen fast durchweg den Namen mit der Endung „ingen“. Die beiden Teilgemeinden Söglingen und Zähringen, zwischen denen Altheim liegt, reichen wohl in die Zeit der Landnahme zurück. Als die Franken die Alemannen besiegten, wurde diese Gegend 536 n.Chr. dem Frankenreich einverleibt. Mit dem Beginn des Christentums gehörte Altheim zum Bistum Augsburg. Da der Dom zu Augsburg der Heiligen Maria geweiht ist, so war die sicher sehr früh erbaute Kirche zu Altheim ebenfalls eine Marienkirche.

Altheim wird erstmals im Jahr 1225 in einer Urkunde des Papstes Honorius III. unter dem Besitz des Klosters Elchingen erwähnt. Es gehörte damals den Grafen von Werdenberg, die ihren Sitz in Albeck hatten und durch einen Vogt ihre Herrschaftsrechte wahrnehmen ließen. Die Grafen von Werdenberg verpfändeten 1324 ihre Vogtei an Eberhard von Steinheim und verkauften dann am 5. Dezember 1385 ihren ganzen Besitz an die freie Reichsstadt Ulm. Der Wedenbergische Vogt wurde durch den Ulmischen Amtmann abgelöst.

1372 schlägt in einer blutigen Schlacht auf der „Altheimer Ebene“ – dem Gebiet zwischen Altheim und Weidenstetten - Graf Eberhard II. von Württemberg die Ulmer und die mit ihnen verbündeten freien Reichsstädte. Der Ulmer Bürgermeister und Bundeshauptmann Besserer findet mit 250 Männern den Tod.

Die Reichsstadt Ulm ließ hier 1536 ein Amtshaus erbauen. 1582 wird das ulmische Oberforstamt von Ravenstein nach Altheim verlegt. Da das Amt des Oberforstmeisters stets von Angehörigen der Ulmer Patriziergeschlechter besetzt war, genoß Altheim eine besondere Stellung im ulmischen Gebiet, was auch darin zum Ausdruck kam, dass der Rat der Stadt Ulm Altheim die Marktgerechtigkeit verlieh.

Im Jahre 1293 wird erstmals urkundlich ein Pfarrer von Altheim, ein Herr Ulrich, als Zeuge bei einer Schenkung des Grafen von Helfenstein an das Kloster Wettenhausen genannt. Der Kirchensatz , Widum und Zehnte waren in den Händen der Grafen von Werdenberg und kamen 1385 ebenfalls an die Stadt Ulm. Das Kloster Anhausen erscheint 1329 als begütert in Altheim. Eine Auszeichnung bedeutete es zweifelslos für Altheim, als 1436 Dr. Heinrich Neidhardt, Domherr zu Konstanz und Pfarrer zu Ulm, eine Frühmesse mit Predigtamt stiftete.

Die zu alt und zu eng gewordene Altheimer Kirche wurde 1696 fast ganz abgebrochen und im gotischen Stil neu erbaut. 1975 erfolgte eine grundlegende Renovierung, noch heute birgt die Kirche manches Kleinod der Gemeinde.Seit 1786 werden in Altheim alljährlich wieder zwei Jahrmärkte abgehalten, einmal der Lichtmeßmarkt am 2. Februar und zum anderen am letzten Montag im Oktober der Herbstmarkt, dessen Höhepunkt der von der Landjugend aufgeführte Füllestanz bildet. Ebenso zieht der Brezgenmarkt, der am Palmsonntag bei der alten Freistätte zwischen Altheim, Heldenfingen und Heuchlingen stattfindet, alljährlich Tausende von Menschen an (siehe Märkte)

Von den das Land überziehenden Kriegen blieb Altheim nicht verschont. Die schlimmste Zeit mußte die Gemeinde wohl im Dreißigjährigen Krieg durchstehen. Aber auch der 1. und 2 Weltkrieg forderten viele Opfer aus der Altheimer Bürgerschaft. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs Altheim durch den Zuzug der Heimatvertriebenen immer mehr an und zählt heute rund 1.800 Einwohner. Infolge der Mechanisierung wurden insbesondere in der Landwirtschaft Arbeitskräfte frei, die als Pendler in der näheren Umgebung arbeiten. Die 1954 bis 1956 durchgeführte Flurbereinigung erleichterte des weiteren eine rationelle und effektive Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Güter. Die Gemeinde unternahm große Anstrengungen, um einer sich ständig ausweitenden Landflucht entgegenzuwirken. Bereits in den 50er Jahren wurde begonnen, ein Kanalisationsnetz und Ortsstraßen auszubauen; Neubaugebiete entstanden, der Ortskern wurde saniert, in Zähringen wurde eine Kläranlage erstellt, eine gemeinsame Kläranlage mit den Nachbargemeinden wurde gebaut, eine moderne Mehrzweckhalle wurde errichtet, die schulischen Anlagen erweitert, Kinderspielplätze wurden eingerichtet, Kindergartenneubau und Feuerwehrgerätehaus mit Bauhof entstanden, das ehemalige Pfarrhaus (1640) wurde saniert und dient jetzt als Rathaus. Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg, die sich ständig weiterentwickelnde Gesetzgebung, die Durchführung von Reformmaßnahmen und der sich ständig steigernde Anspruch auf höheren Lebensstandard brachten immer neue Aufgaben für die Gemeinde, die sie nur durch die aktive Mitarbeit und Unterstützung ihrer Bürger bewältigen konnte, deren Lebensfreude sich in einem regen Vereinsleben widerspiegelt.

Personen

Eine der großen Persönlichkeiten war Pfarrer Wolfgang Bachmayer (1597-1685), welcher von 1631 bis 1681 Pfarrer in Altheim war. Als Freund von Johannes Kepler hat er sich mit Mathematik befaßt und als Astronom und Verfertiger von Landkarten gewirkt. Als Theologe und Magister hat er die ulmischen Gebiete vermessen und aufgezeichnet, des weiteren hat er sich intensiv mit der Astronomie beschäftigt und so u.a. die Sonnenfinsternis für den 12.08.1654 vorausberechnet.

Am 18. Mai 1803 wurde der Pfarrersohn Konrad Dietrich Hassler in Altheim geboren. Er studierte in Tübingen, Leipzig und Paris und entfaltete in Ulm von 1826 bis zu seinem Tode am 15. April 1873 eine ungemein rege Tätigkeit auf fast allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Professor Dr. Hassler, der u.a. Parlaments- und Landtagsabgeordneter war, machte sich insbesondere verdient um die Münsterrestauration in Ulm.

Hans Binder (1924 geb. in Tübingen, 2005 gestorben in Göppingen) veröffentlicht 1956 in den Blättern des Schwäbischen Albvereins einen Artikel über die neu im Altheimer Steinbruch entdeckte Klufthöhle. Er war hier Schullehrer und hatte unter volks- und naturkundlichen Gesichtspunkten den Hungerbrunnen erforscht (siehe auch Märkte). Er wird später ein Standardwerk über die Höhlen der Schwäbischen Alb veröffentlichen.

Blätter des Schwäb. Albvereins, Nr. 1/2007 S. 7/8

Vinzenz Erath (1906 geb. in Waldmössingen, 1976 gestorben in Vaihingen a.d.Enz), ein in den 50-er bis 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vielgelesener Autor wohnte und schrieb von 1945 bis 1963 in Altheim. Seine Romane "Größer als des Menschen Herz" (1951) - Auflage 200.000 Exemplare, "Das blinde Spiel" (1954), "So zündeten die Väter das Feuer an" (1956) und "Zwischen Staub und Sternen" schildern ein lebendiges, facettenreiches Bild des Altagslebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und den Wandel einer religiös geprägten Agrargesellschaft zu einer liberaler ausgerichteten Industriegesellschaft.

Vinzenz Erath - Biografie von Harald Frommer, ISBN 3-9807406-5-X, 2006, Schramberg